Heimatverein Gundheim

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Infotafeln

 
Pfalzhof

Pfalzbau

Ziehbrunnen Ziehbrunnen
Katholische Schule Katholische Schule Reformierte Schule Reformierte Schule
St. Laurentius St. Laurentius Kirche St. Nepomuk St. Nepomuk
Historischer Keller Historischer Keller Gundheimer Bahnhof

Ehemaliger Gundheimer

Bahnhof


 

Pfalzhof  Pfalzbau

Der sogenannte 'Pfalzbau' ist das Haupthaus des Greiffenclauer Hofes. Dieser wurde zwischen 1741 und 1744 von den Freiherren von Greiffenclau zu Vollrads aus dem Rheingau erbaut. Man errichtete ihn im spätbarocken Stil mit Krüppelwalmdach auf einem Hochkeller und nutzte ihn als Wohnung des Gutsverwalters und als Amtsstube.

1853 wurde das Haus von der Gemeinde erworben und als Schulhaus mit einer Lehrerwohnung bis 1974 genutzt.

 

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Katholische Schule  Katholische Schule

1456 übergab der Pfalzgraf Kurfürst Friedrich I. als Patronatsherr der Guntheimer Laurentiuskirche alle Patronatsrechte und -pflichten der Landesuniversität Heidelberg "Guntheim ist eine Pastorey und sind Pastores die Fakultät zu Heidelberg"1*. Dies bedeutete, dass Gundheim eine selbständige Pfarrei mit eigenem Pfarrer und seiner Pfarrkirche hatte. Der größte Teil der Gundheimer Bevölkerung waren Lutheraner und Reformierte, die Katholiken befanden sich in der Minderheit.2*

1699 wird Freiherrn Johann Erwein Greiffenclau von Vollrads vom Pfalzgraf Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz mit dem Dorf Gundheim belehnt. Er führte eine katholische Reformation durch, die reformierte Schule wird katholisch. Vor der Reformation beschränkte sich eine schulische Ausbildung hauptsächlich auf die Kirche. Aufgabe des Unterrichts sollte es sein, das Christentum zu lehren. Jeder Schulunterricht stand damals unter der Aufsicht der Kirchen. Der Schuldiener unterstand stets dem Ortspfarrer als seinem nächsten Dienstvorgesetzten.

1705 gewährte der pfälzische Kurfürst die vollkommene Gewissensfreiheit. Vorher bestimmte die Herrschaft die Religion seiner Untertanen. Im gleichen Jahr kam es zur Kirchenteilung, dies bedeutete,dass die kirchlichen Eigentumsverhältnisse endgültig geklärt wurden. Die Kirche St. Laurentius und das Schulhaus fielen durch Losentscheid der katholischen Kirche zu und gehörten von nun an dem Dalsheimer Landkapitel.

Die katholische Schule von Gundheim wurde vom Freiherrn von Greiffenclau zu Vollrads in der Mitte des 18. Jh. auf dem Hochkeller des zweiten ehemaligen Altaristenhauses im spätbarocken Still mit einem Walmdach erbaut. Die Kellerfenster sind mit Steinschiebern versehen. Im Haus befanden sich ein Klassenzimmer und eine Lehrerwohnung.

Für die Schule benötigte man neue Tische und Bänke. Die neue Klasseneinrichtung wurde vom Mainzer Architekten angefertigt3*. Laut Eintragung in der Schulakte von 1825 besuchten 49 Gundheimer Kinder die Schule. In Rheinhessen wurde in den Volksschulen ein neues Lesebuch eingeführt. Das Lesebuch kostete 20 Kreuzer4*, in Leder gebunden 22 Kreuzer, die Gelder wurden vom Gundheimer Gemeindeeinnehmer eingenommen und für die Anschaffung der Bücher ausgegeben. Diese wurden beim Buchbinder Kunze in Worms abgeholt und an die Schulkinder verteilt 5*.

Nach der Einführung der Schulordnung vom 22.10.1827 wurde in Gundheim auch ein Schulvorstand gebildet. Es wurden Philipp Michel, Beigeordneter und Wilhelm Bentz, Gemeinderatsmitglied, zu Mitgliedern des Vorstandes ernannt, die sich mit verschiedenen Belangen der Schule auseinander setzen6*.

1831 nahm die Gemeinde Gundheim ein Darlehen für die Reparatur des Schulhauses von der katholischen Schule von Westhofen auf. In den Jahren von 1842 bis 1854 wurde der Schulsaal zu klein. 1848 wurde vom Gemeinderat der Beschluss gefasst, einen Bauplatz für den Bau eines Schulhauses vom Bürgermeister Bernhard Michel zu erwerben7*. Die Kosten für den Erwerb waren zu hoch, die Gemeinde konnte sich nicht erlauben ein neues Schulhaus zu bauen.

1851 wurde im Gemeinderat diskutiert, ob man einen Teil der Gebäude, die der Bürgermeister Christian Herding zur Verfügung stellen würde, in einen Schulsaal umzubauen und die alte Schule nur als Lehrerwohnung zu benutzen8*.

Laut Bericht des Bürgermeisters Herr Michel zu Gundheim an die Großherzogliche Regierungskommission des Regierungsbezirks Worms vom 12.04.1851 wurde vom Gemeinderat beschlossen, ein Darlehen aufzunehmen und einen Neubau zu errichten oder das Schulgebäude aufzustocken9*. Da es an Mitteln für den Bau einer neuen Schule fehlte, diskutierte man über eine neue Möglichkeit, den Schulsaal zu verlängern mit dem Eingang vom Kirchhof, zwischen dem alten Schulhaus und dem neuen Schulsaal, so dass das alte Schulhaus unberührt stehen bleibt und nur als Lehrerwohnung dient10*.

1854 kam man von der Idee, das Schulhaus aufzustocken ab, weil der Keller des Gebäudes zu hoch war. Man versuchte nun ein Grundstück (Hofreite von Herding) zu erwerben11*.

Um das erworbene Schulhaus zu finanzieren, nahm die Gemeinde Gundheim ein Darlehen in Höhe von 1.000 Gulden aus dem katholischen Schulfonds Westhofen zu 5 % auf zwei Jahre auf12*.

 

Schulmeisterverzeichnis
1710:  Georg Keller
1710:  Johannes Sporer
um 1714-1718:  Konrad Gilot
1721-1727:  Heinrich Hymiob
1726:  Johannes Peter Eck
1732-1736:  Johannes Caspar Empel

 

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Quellen:

 1* Dr. Erwin Hofmann „Guntheim im Mittelalter“, S. 79

 2* Dr. Erwin Hofmann „1699 Die Freiherren von Greiffenclau wurden unsere Dorfherrren“, S. 128

 3* S. Grundriss, Aufriss u. Durchschnitt für die Klasseneinrichtung v. 1821, Gem. Archiv Gundheim, Schulakte

 4* 20 Kreuzer entsprechen 45,55 €, für dieses Geld konnte man im Mittelalter 10 Gänse kaufen, in: (Umrechnungstabelle bei Google)

5* Schreiben der Großherz. Regierung Mainz vom 12.10.1825, in: Schulakten des Gem. A Gundheim

6* Schreiben der der Großherz. Regierung in Mainz vom 31.03.1828, in: Schulakte des Gem. A Gundheim

7* Protokoll der Sitzung des Gundheimer Gemeinderates v. 24.01.1848, Schulakte, Gem. A Gundheim

8* Protokoll der Sitzung des Gundheimer Gemeinderates v. 29.04.1851, Schulakte, Gem. A Gundheim

9* Protokoll der Sitzung des Gundheimer Gemeinderates v. 30.12.1842, Schulakte, Gem. A Gundheim

10* Protokoll der Sitzung des Gundheimer Gemeinderates v. 29.04.1851, Schulakte, Gem. A Gundheim

11* S. Schreiben des Kreisrats um Genehmigung der Zahlung, hier: Ankauf der Herdingschen Hofreite, vom 30.03.1854, in: Schulakte des Gem. A Gundheim

 12* Schuldschein vom 08.07.1854, in: Schulakte des Gem. A Gundheim

 

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St. Laurentius Kirche  St. Laurentius Kirche

Eine hölzerne, dem hl. Martin geweihte Basilika wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch von 791 erwähnt. Im 11. Jh. wurde eine steinerne Kirche im romanischen Stil erbaut, die dem hl. Laurentius geweiht wurde. Um ca. 1300 wurde sie erweitert und im gotischen Stil als Wehrkirche erbaut. In den Jahren 1534 -1544 entstand auf den Trümmern der durch Kriege beschädigten Kirche erneut ein gotischer Bau, von dem noch heute der gewaltige Westturm steht. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde auch diese Kirche zerstört. Die Freiherren von Greiffenclau erbauten eine neue Kirche, die außen schlicht und innen im Barockstil geschmückt war. Diese Kirche wurde am 22.08.1896 durch Brand zerstört. Ihr folgte 1902 die im neugotischen Stil erbaute sechste, heutige Kirche.

 


Historischer Keller   Historischer Keller

Der historische Keller war früher vermutlich Teil einer Burg. Eine Treppe von 17 Stufen führt nach unten in den großen, links und rechts mit Nischen versehenen, gewölbten Keller. Im südlichen Ende des Kellers weiter vorne befindet sich eine besonders große Nische. In der ersten Nische links oben ist ein Fenster, das außen einen verzierten Steinschieber besitzt.

In den Urkunden und in der Literatur findet man Hinweise über die Gundheimer Burg. Laut Lagebericht über Gundheim aus einer Chronik von 1787 wurde um 1200 demnach im Dorf eine Burg mit einem massiven Keller sowie ein Schloss erbaut.1*

Als die letzten Ritter von Gundheim im Mannesstamm starben, führten die "Tochtermänner" die Herrschaft Gundheim weiter. 1311 belehnte König Albrecht I. von Habsburg den Ritter Friedrich von Meckenheim, den "Alten", als Sprecher der Ganerbengemeinschaft Gundheim mit der Burg und dem Dorfe Gundheim2*. Laut Urkunde vom 28.11.1381 nannte sich Ritter Siegfried von Oberstein, der über Gundheim verfügte, als Helfer, um den Krieg zu beenden und seine Schlösser zu öffnen. Schloss Gundheim war eine Ausnahme, das anscheinend seine Residenz war.3*

1663 starb auch der letzte Nachkomme, Priester Wolf Ernst von Oberstein. 1699 belehnte Kaiser Leopold I. den Kurfürsten von der Pfalz, den Freiherrn Johann Erwein von Greiffenclau zu Vollrads im Rheingau mit dem Dorf Gundheim. Die Freiherren von Greiffenclau bekamen ein verwüstetes Dorf. Man begann mit dem Aufbau der Kirche, des Pfarrhauses, der Schule und errichtete den Greiffenclauhof mit einem Hauptgebäude, den so genannte Pfalzhof, Ökonomiegebäude, Gesindeunterkünfte, eine Zehntscheune, einen Keller, Stallungen, einen großen Gemüsegarten, Speicherräume und eine Branntweinbrennerei.

Wahrscheinlich war das Schloss so beschädigt, dass die Freiherren von Greiffenclau es nicht benutzen konnten.

In den Ortsbrandkataster der Gemeinde Gundheim von 1817, 1835 und 1848 finden sich leider über den Keller keine Eintragungen. Wie er in den Privatbesitz der Familie Schreiber kam, bleibt offen. Es ist bekannt, dass sich dieser Keller schon seit dem 19. Jh. in Privatbesitz befindet. Im 20 Jh. wurde der Keller als Weinkeller benutzt.

Man vermutet, dass eine Reihe von unterirdischen Gängen links und rechts vom Schlossbuckel verlaufen. Einer befindet sich unter dem Anwesen der früheren Scheune, heute Wohnhaus, der zur Hauptstraße führt. Der oberer Teil des Ganges (halbrundes Mauerwerk) wurde abgetragen, um den Boden im Erdgeschoss  verlegen zu können. Der Gang in Richtung der Hauptstraße wurde zugemauert.

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Quellen:

1* Dr. Hoffmann verweist in seinem Heft „Gundheim im Mittelalter“ auf die Quelle „Historie der Pfalz, Teil III, 1787, S. 48

2* „Hessische Urkunden“ von Ludwig Baur, Darmstadt 1862, Bd. II, Nr. 721, S. 725

 3* „Hessische Urkunde“ von Ludwig Baur, Darmstadt 1862, Bd. III, Nr. 1451, S. 535

 

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Ziehbrunnen  Ziehbrunnen

Der Brunnen wurde um 1700 errichtet. Er diente drei Familien als Wasserstelle, die jeweils von ihrem Grundstück aus einen Zugang hatten. Bis zur Installation der Wasserleitung 1906 war der Ziehbrunnen in Benutzung. In den 1980er Jahren wurde er mit Bauschutt verfüllt. Er ist Eigentum der Nachkommen der ehemaligen Besitzer.

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Reformierte Schule  Reformierte Schule

Die erste nachweisbare Gundheimer Schule wurde im letzten Viertel des 16. Jh. in einem der beiden ehemaligen Altaristenhäuser errichtet. In diesen Gebäuden hatten bis zum Übergang der Kurpfalz zum Protestantismus in den 1550er Jahren die 'Altaristen' (Messpriester, die nur die heilige Messe zelebrierten) gewohnt. Sie waren von der Hohen Schule zu Heidelberg, die seit 1492 das Patronatsrecht besaß, eingesetzt worden. Man nutzte eines der beiden Gebäude als reformierte Schule bis Ende des 17. Jh. Als erster Lehrer wird in Gundheim der Schulmeister Christoph Engelhardt aus Heidesheim genannt.

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St. Nepomuk  St. Nepomuk

Diese Figur geht auf Johannes Nepomuk oder Johannes von Pomuk zurück, der ein böhmischer Priester und Martyrer war. Er wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen und gilt als „Brückenheiliger“ und Patron des Beichtgeheimnisses. Durch die Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel IV. und seinem früheren Kanzler, dem Erzbischof Johannes Jenstein von Prag wurde der erzbischöfliche Generalvikar Johannes von Pomuk zusammen mit anderen erzbischöflichen Beamten verhaftet, gefoltert und schließlich von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt und ertränkt. Die Leiche des im Wasser Treibenden soll der Legende nach von fünf Flammen umsäumt gewesen sein, deswegen ist Johannes Nepomuk oft mit fünf Sternen um sein Haupt abgebildet.

Der heilige Nepomuk bekam eine große Popularität bei allen Bevölkerungsschichten und drängte im 18. Jahrhundert den böhmischen Nationalheiligen Wenzel in den Hintergrund. Auch in den anderen Ländern der Habsburgmonarchie entstand ein reger Nepomukkult, der neben den österreichischen Ländern bis nach Pavia, ins Banat und die österreichische Walachei reichte. Als Nothelfer, besonders gegen Wasser- und Reisegefahren, ersetzte er in diesen Gebieten vielfach den vorher populären Heiligen Nikolaus.

Auch in Gundheim wurde durch die Spenden der Familie Renz eine Holzfigur des St. Nepomuk angeschafft. Die aus dem Jahr 1771 stammende bemalte Holzfigur des St. Nepomuk stand bis zu Beginn des 20. Jh. auf dem ehemaligen Dorfplatz. Später stellte man sie auf die Brückenmauer, die über den Dorfgraben führt. Diese alte Statue wurde im Sommer 2003 entwendet.

2004 beauftragte die Gemeinde Gundheim den Wormser Künstler Martin Schäfer eine neue Figur aus gelbem Flonheimer Sandstein anzufertigen. Diese stellte man auf der gleicher Stelle wieder auf. Finanziert wurde sie durch Spenden.

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Gundheimer Bahnhof  Ehemaliger Gundheimer Bahnhof

Der Bahnhof wurde 1903 nach Plänen des Architekten Fritz Klingholz erbaut. Seit dem 1. Oktober 1903 war die Bahnstrecke Worms - Gundheim für den Personen- und Güterverkehr freigegeben und stellte den Endpunkt dieser Linie dar. Der Personenverkehr wurde am 28. Mai 1961 eingestellt, der Güterverkehr lief bis zum 4. März 1968 weiter. Gleich danach erwarb die Gemeinde das Anwesen und übergab es zur Nutzung an den Gundheimer Gesangverein. 1985 wurde das Gebäude des ehem. Bahnhofs unter Denkmalschutz gestellt.

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